Gorillas Uganda: Boss im Dschungel

von | Afrika

 

Dschungeltour Berggorillas: 

Uganda war die „Perle Afrikas“ – dann kamen Bürgerkrieg und Schreckensherrschaften. Inzwischen gilt die Naturschönheit im Herzen des schwarzen Kontinents wieder als Geheimtipp. Touristischer Höhepunkt: eine Dschungeltour zu den Berggorillas.

Machati ist im Flegelalter. Der halbstarke Berggorilla lümmelt im Gebüsch, knabbert an einer Bambusstange und frisst zwischendurch rote Ameisen. Dann will er zeigen, dass er ein ganzer Kerl ist. Ohne Vorwarnung prescht er vor, knackt einen armdicken Baum um und schaut provozierend in die Gorilla-Runde. Doch sein Hochgefühl ist nicht von Dauer. Mark, der mächtige Silberrücken, bricht krachend aus dem Gebüsch und zeigt, wer der Boss im Regenwald ist. Der 250-Kilogramm-Koloss schubst die Weibchen zur Seite und macht dem achtjährigen Gorilla-Youngster Beine.

Kleinlaut verschwindet Machati im dichten Bambus und überlässt dem Chef das Feld. Die kleine Touristengruppe, die im Mgahinga Gorilla Nationalpark im äußersten Südwesten Ugandas eine Dschungeltour zu den Berggorillas gebucht hat, steht stocksteif und hält den Atem an. Selbst das Dauerklicken der Kameras macht eine Pause. Sieben Meter Abstand sollen sie zu den muskelbepackten Menschenaffen halten, so hatte ihnen Ranger Ismael Bakebwa eingebläut – doch freiwillig traut sich sowieso keiner näher an die mächtigen Primaten heran. 

Mit Ranger auf Gorilla-Safari

Gut 800 Berggorillas leben weltweit noch in freier Wildbahn – mehr als 500 streifen durch den Regenwald Ugandas. Im Mgahinga Gorilla Nationalpark und im Bwindi Nationalpark wurden insgesamt 15 Berggorilla-Gruppen an den Besuch von Menschen gewöhnt. Für 600 US-Dollar können abenteuerlustige Touristen einen der begehrten Erlaubnisscheine erwerben, die sie berechtigen, zusammen mit einem Ranger auf Gorilla-Safari zu gehen.

Ein Sonntagsspaziergang ist das nicht. Die Gorillas leben im Mgahinga Nationalpark am Fuße der Virunga-Vulkane und klettern bis auf 3000 Meter – so weit, wie sie den begehrten Bambus finden. Die Touristen müssen hinterher – über schlammige Pfade, steinige Hänge und durch den regennassen Dschungel. Doch für die meisten ist es das unbestrittene Highlight einer Uganda-Reise, für viele sogar der Grund, dem ostafrikanischen Land einen Besuch abzustatten.  Doch Uganda hat viel mehr zu bieten als Berggorillas und tropischen Dschungel. 

„Uganda ist ein einziger schöner Garten – es ist die Perle Afrikas“, fand schon Winston Churchill zu Beginn des 20. Jahrhunderts und pries die üppige Natur, die spektakuläre Bergwelt und die Fruchtbarkeit der Felder. Dann kam die Unabhängigkeit, es folgten Bürgerkriege und die Schreckensherrschaft Idi Amins, die dem Land eine traurige Bekanntheit brachte. Noch heute kämpft das Land mit dem Etikett des gewalttätigen Diktators, das dem modernen Uganda zu Unrecht anheftet. Seit vielen Jahren herrscht Frieden und das Land wirbt um Touristen. Gründe für einen Besuch gibt es genug. Banal, aber für Reisende ein entscheidender Faktor: Ugandas Klima gehört zum angenehmsten der Welt. Die Äquatornähe bringt Sonne, die Hochlage moderate Temperaturen, die tagsüber bei 25 bis 28 Grad Celsius liegen. 

Bananen überall – über 20 Sorten wachsen in Uganda

Wer durch Uganda reist, wähnt sich tatsächlich in einem üppig bepflanzten Garten. Jeder Biobauer wäre entzückt, denn gefarmt wird wie zu Großmutters Zeiten. Kaffee und Kartoffeln, Tabak und Tee, Bohnen und Baumwolle, Reis und Mais: Kaum etwas, das nicht angebaut wird. Doch der Liebling aller Farmer ist die Banane. „Keine Kuh, keine Bananenplantage? Dann bekommst du auch keine Frau!“,  so heißt es in Uganda, erzählt Reisebegleiter Vincent und greift sich eine der begehrten gelben Früchte. „Ich esse sie jeden Tag und erkenne die rund 20 Hauptsorten beim ersten Bissen am Geschmack“.

Dass deutsche Gäste nur zwischen Markennamen wie Chiquita und Delmonte unterscheiden, lässt ihn staunen. Bananen gibt es in unzähligen Formen, Größen und sogar verschiedenen Farben. Sie werden gekocht, geröstet, frisch verzehrt und zu Bier oder Brot verarbeitet – kein anderes Volk futtert mehr Bananen als die Ugander.  Wer durchs Land fährt, passiert überall die leuchtend grünen Pflanzen mit den fedrigen Blättern, überholt mit Stauden bepackte Fahrräder oder steckt hinter LKW fest, die riesige Berge der noch hellgrünen Früchte durchs Land kutschieren.  

Heiße Quellen und geheimnisvolle Mondberge

Damit Ugandas Wirtschaft genauso üppig wächst wie die Pflanzen und Früchte, setzt das Land zunehmend auf Tourismus. 2012 wählte der Reiseführer „Lonely Planet“ Uganda zum besten Trendreiseziel. An Gründen für einen Besuch fehlt es nicht. Allein zehn Nationalparks und zwölf Wildreservate hat der Staat ausgewiesen, es gibt die geheimnisvollen Mondberge, die heißen Quellen im Semliki Park, die Nilfälle im Murchisonfalls Nationalpark. Es gibt Seenlandschaften, milchig schimmernde Kratertümpel, Afrikas beliebteste Wildtiere und eine reiche Kultur unterschiedlicher Stämme, wie etwa die des Pygmäen-Volkes der Batwa.   

 Am frühen Morgen, der Himmel zeigt gerade ein zartes Rosa, ruckelt der Landcruiser auf roten Lehmpisten durch den Queen Elisabeth Nationalpark, den größten und landschaftlich reizvollsten am Fuße des Rwenzori-Gebirges mit dem 5109 Meter hohen Mount Stanley. „Wir haben 1067 Vogelarten in Uganda“, doziert Ranger Robert. Doch die Safari-Gäste dösen noch in ihren Sitzen. Sie lassen die Vögel zwitschern und regen sich erst, als das Safari-Gefährt auf Allrad umstellt, weil Robert auf Löwenjagd gehen will.

Er prescht durch eine Furt, bis der Schlamm spritzt und steuert einen von dichtem Gestrüpp umgebenen Kaktusbaum an. Ein Jäger ist hier der Gejagte. Zwischen den stacheligen Armen hockt ein Leopard und fixiert die Gruppe mit bernsteinfarbenen Augen. Er lukt nach unten, doch dort hockt der Feind. Fünf Löwinnen dösen mit dick gefressenen Bäuchen im Gras und verweigern dem Leoparden den Abstieg. „Gut dass wir nicht am Ishasha-Fluss sind“, meint Robert. Dort leben die seltenen Baumlöwen, die bei Bedarf auch ins Geäst klettern können. 

Wilddiebe stehlen Baby-Schimpansen

Der Schutz der Wildtiere wird in Uganda groß geschrieben. Doch nicht immer gelingt es, sie in freier Wildbahn zu beschützen. Vor allem Schimpansen leiden unter dem Zugriff von Wilddieben. Diese stehlen Babys und verkaufen sie teuer weiter. „Obwohl es illegal ist, gibt es einen regen Handel“, erregt sich Amos. Er leitet das Chimpanzee Sanctuary auf Ngamba Island mitten im Viktoriasee. 49 Primaten leben hier in einem geschützten Raum. Tagsüber toben sie durch den Inselwald, am Abend holen sie sich Ananas, Möhren und Äpfel bei den Sanctuary-Wärtern und verbringen die Nacht unterm Dach.

Die meisten Schimpansen auf Ngamba Island kommen als verwaiste Babys. Sie wurden aus Käfigen oder Verschlägen befreit und in mühevoller Arbeit in die Schimpansen-Truppe integriert – ihre einzige Chance auf ein artgerechtes Leben. Okello Amos kann nicht verstehen, wie man Schimpansen so grausam behandeln kann. „Sie haben sehr viel Menschliches an sich. Sie freuen sich, kämpfen und sind traurig“. Und er weist auf das T-Shirt, dass er sich übergestreift hat. „98,7 Prozent Schimpanse“, ist dort zu lesen – eine wissenschaftliche Wahrheit auf Stoff gedruckt, denn der Genpool von Mensch und Schimpanse ist fast deckungsgleich. 

„Flieg wie ein Adler“, ruft Isaac 

Safari-Erlebnisse werden gerne von älteren Reisenden gebucht, doch auch die jungen Uganda-Besucher finden ihren Spaß. Auf nach Jinja, heißt es deshalb für alle unter Dreißig. In Jinja liegt die Quelle des Nils. Jedenfalls eine der von Menschen identifizierten Quellen, denn auch andere Länder beanspruchen diese Attraktion für sich. In Jinja, rund 70 Kilometer von der Hauptstadt Kampala entfernt, tritt der Weiße Nil aus dem Viktoriasee aus, so dass man hier durchaus die Quelle dieses längsten Flusses der Erde annehmen kann. Mit Blick auf die Quelle kann man in Jinja auch seinen Adrenalinpegel in die Höhe treiben.

Isaac hat hier den einzigen Bungee-Jumping-Turm des Landes errichtet und schubst freiwillige Springer im entscheidenden Moment mit aufmunternden Worten vom Turm. „Flieg wie ein Adler“, ruft er ihnen auf dem Weg in die Tiefe zu. „Hier springen alle, die Mumm in den Knochen haben“, erklärt er. Für 115 US-Dollar stürzen sich Einheimische, aber auch viele US-Amerikaner und Australier ins Nichts. Wer die Endorphine weiter anheizen möchte, geht hinterher aufs Raftingboot. Etliche Stromschnellen mit skurillen Namen wie „Haar des Hundes“ und „Nil speciale“ sind zu bewältigen. Wer unbedingt kentern möchte, bucht Schwierigkeitsgrad fünf. „Das Leben ist manchmal eine Herausforderung“,  sagt Isaac weise, „doch wer einmal vom Turm gesprungen oder durch Stromschnellen getrudelt ist, weiß, dass ihn so schnell nichts aus der Ruhe bringt.“  

Informationen 

Berggorillas: Weltweit leben gut 800 Berggorillas in freier Wildbahn, mehr als 500 davon in Uganda, die anderen in Ruanda und in der Demokratischen Republik Kongo. Ugandas Berggorillas sind in den beiden Nationalparks Mgahinga (eine an Menschen gewöhnte Gruppe) und Bwindi (14 an Menschen gewöhnte Gruppen) zu finden. Jede Gruppe darf pro Tag genau eine Stunde lang von maximal acht Gästen besucht werden. Die Genehmigungen kosten 600 US-Dollar. 10 US-Dollar pro Gorilla-Besuchserlaubnis und 20 Prozent der Parkgebühren gehen an Gemeinschaftsprojekte in den umliegenden Gemeinden.

Reisezeit: Uganda hat das ganze Jahr über ein ausgeglichenes Klima. Die Temperaturen liegen stets zwischen 16 und 28 °C. Januar und Februar sowie Juni bis Oktober sind die trockensten Monate, während im April und Mai mit höheren Niederschlagsmengen zu rechnen ist.

 Rundreisen: Der Besuch der Berggorillas ist in der Regel Baustein einer Rundreise durch Uganda. Angeboten werden diese von diversen auf Afrika spezialisierten Veranstaltern, etwa Abendsonne Afrika (www.abendsonneafrika.de) oder Diamir Erlebnisreisen (www.diamir.de).

Nützliche Websites: www.visituganda.de, www.ugandawildlife.org, www.ngambaisland.org

Buchtipp: Uganda und Ruanda aus dem Verlag Reise Know-How von Christoph Lübbert, aktualisiert 2015, 24,90 Euro.